Montag, 2. Juli 2018

Belastungstest vor der großen Sommerpause

Die Sommerferien haben begonnen! Ein anstrengendes und ereignisreiches Arbeitsjahr liegt hinter uns. Knapp eine Woche heißt es nun noch, das alte Schuljahr nach- und das neue vorzubereiten. So weit so gut, jetzt mussten wir uns nur noch etwas einfallen lassen, um am Wochenende dazwischen den Kopf möglichst schnell frei zu bekommen. Und das geht natürlich am besten mit Oldtimern, Sonne, Strand und viel Straße. So sind wir am Donnerstag nach der abschließenden Gesamtkonferenz schnellen Schrittes zu unseren Bussen geeilt, um das seit April geplante Abenteuer Nordküste in Angriff zu nehmen.
Wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich schon etwas Bammel dass wir unterwegs liegenbleiben. Da liegen manche Dinge technisch schon ganz schön im Argen und ich sehe das natürlich dummerweise auch noch. Es wäre manchmal besser, wenn man ein bisschen weniger Ahnung hätte. Es ist mir in den letzten zwei Jahren hier zwar schon ganz gut gelungen, der angeborenen deutschen Penibilität abzuschwören (was offen gesagt wirklich gut tut, es funktioniert nämlich auch ohne), aber man kann ja nicht ganz aus seiner Haut. Egal.
Das Ziel des ersten Tages war das Iberotel Borg El Arab westlich von Kairo und dieses Ziel galt es zu erreichen.   


Da wir es nicht gleich übertreiben wollten, war die erste Rast kurz vor der Mautstelle der Alexandria Desert Road geplant. Da gibt es eine ganz nette Total-Tankstelle mit frischen Paninis, leckerem Kaffee und Hörnchen. Und tanken konnten wir dann auch gleich noch. Sehr zum Leidwesen der Autofahrer hinter uns, kamen wir auch noch auf die Idee, den Reifenluftdruck kontrollieren zu lassen.

  
In allen Reifen war entschieden zu viel Druck, der erst einmal gaaanz gemütlich abgelassen werden wollte. Als ich dann an der Reihe war, ging der Rückstau bereits bis an die Zapfsäulen, was die Autofahrer hinter mir mit aufgebrachtem Hupen kommentierten. Ja malesh, wer wird denn gleich in die Luft gehen ;-).
Eine gefühlte Stunde später waren wir dann auch schon auf der Autobahn und konnten unsere Boxermotoren mal so richtig klingeln lassen. Die Überholmanöver in Dreiviertel-Gasstellung (nur kein Vollgas!!!) unter Einsatz der Hupe machten richtig Laune.



Keiner von uns war bislang weiter als 50 Kilometer am Stück gefahren und so hatten wir vereinbart, nach weiteren 100 Kilometern die zweite Pause einzulegen. An einer Tankstelle der Armee konnten wir dann in aller Ruhe die ersten Eindrücke austauschen. Ich war überrascht, wie angenehm sich der Bus auf längeren Strecken fährt, hat man sich erst einmal daran gewöhnt, dass man ganz anders fahren muss als mit einem herkömmlichen PKW. Man muss viel vorausschauender fahren und die optimale Reisegeschwindigkeit liegt bei 80 km/h. Das macht die ganze Sache aber auch recht entspannt und gemütlich. 

    
Überraschend war für mich auch, dass es bei geöffneten Fenstern nicht wirklich warm im Fahrzeuginneren wird. Und wir sprechen hier von Außentemperaturen um die 40 Grad. Die geraden Fensterfronten und das langgezogene Dach sorgen für einen regelrechten Beschattungseffekt. Mit diesen positiven Erfahrungen im Hinterkopf konnten wir die letzten 120 Kilometer ohne weitere Pause in Angriff nehmen. Auch wollten wir vor Anbruch der Dunkelheit ankommen. Die Straßen- und Verkehrsverhältnisse auf ägyptischen Straßen lassen sich bei Tageslicht noch ganz gut meistern, im Dunklen bergen sie eine nicht zu unterschätzende Gefahr.




 
Es hat alles gut geklappt. Wir sind pünktlich im Hotel angekommen, gerade noch rechtzeitig, um den Sonnenuntergang zu genießen. Hotels an der Nordküste sind so eine Sache für sich. Zum einen gibt es wenige, zum anderen entspricht der Standard nicht immer europäischen Verhältnissen. Der Preis allerdings schon und dadurch ergibt sich dann eine gewisse Diskrepanz. Auch das Iberotel Borg El Arab hat die besten Tage bereits hinter sich. Es ist sicherlich kein Aushängeschild für die JAZ-Gruppe, aber noch akzeptabel. Für die nächsthöhere Hotelkategorie hättren wir 500 Euro pro Nacht im Doppelzimmer bezahlt. Das muss dann auch nicht sein. Und man muss bedenken, es ist Hochsaison.   


Am nächsten Tag war der Plan, den deutschen Soldatenfriedhof in El Alamein zu besuchen. Ich war bereits vor neun Jahren schon einmal dort, es konnte also nicht schaden, die Eindrücke aufzufrischen. Zunächst einmal ging es knapp 65 Kilometer nach Westen.


Schon bei der Abfahrt bemerkte ich, dass der Bus nicht ganz sauber lief. Im unteren Drehzahlbereich zog wer nicht richtig, stotterte und spuckte. Ich schob das zunächst auf die Kaltstartautomatik, denn plötzlich war der Spuk vorbei und ich konnte wie gewohnt meinen Motor schnurren lassen, der wirklich wie ein Kätzchen schnurrte und sich äußerst angenehm fuhr. Das gefiel mir alles sehr gut!



Am Soldatenfriedhof angekommen, wollten wir erst einmal unsere Fahrzeuge in Szene stellen. Das war gar nicht so einfach, denn die Einfahrt liegt so nah an der Schnellstraße, dass der rote Bus zur Hälfte auf der rechten Fahrspur steht. Zwar wird die selten genutzt, weil sie zum einen halb mit Sand und Schutt bedeckt ist und zum anderen immer wieder mal als Standspur missbraucht wird. Gar nicht so selten kommt einem da auch mal ein Fahrzeug entgegen. Nichts desto trotz, wir standen suboptimal. Und das Wendemanöver vollzog sich auch auf der Fahrbahn. Wir mussten nur ein Loch zwischen den LKWs finden, die da mit 100 angerauscht kamen.   


All das missfiel auch dem Polizisten, der an der Einfahrt zum Gelände deinen Dienst verrichtete. Aber irgendwie hat sich das dann alles in Wohlgefallen aufgelöst. Ob das an den Bussen lag?



Man weiß es nicht. Aber am eigentlichen Denkmal angekommen machten sie Eindruck. Und zwar auf Raouf, den Beduinen, der neben einer ganzen Reihe an Tätigkeiten auch die Kriegsgräberstätte betreut. Damit seien die Deutschen früher immer gekommen, jetzt aber schon lange nicht mehr. Was für außerordentlich schöne Busse das seien. Helle Begeisterung. Wir hatten sofort ein Gesprächsthema und der Kontakt sollte sich noch äußerst angenehm entwickeln.


Zunächst ging es aber erst einmal in den Friedhof. Schon bei der Ankunft ist die Stimmung beklemmend.


Das ist ein Stück Heimat fernab der Heimat. Hier wurden tausende junge Deutsche, die ganz am Anfang ihres Lebens standen als Kanonenfutter verheizt. Plötzlich wird einem klar, welch erschütternde Schicksale mit diesem Ort verbunden sind.


Im Inneren ist es totenstill, man hört lediglich einzelne Vögel zwitschern. Ein Ort, den man ruhig mal auf sich wirken lassen kann. Den man unbedingt auf sich wirken lassen muss. Ein Ort, der zum Nachdenken anregt. Wenn man über längere Zeit fernab der Heimat lebt, fällt es einem zunehmend schwer, das zu beurteilen, was im eigenen Land vor sich geht: aufkeimender Nationalismus, Gauland und Co., Flüchtlingshetze, Özil-Debatten. es ist schlicht unmöglich, zu beurteilen, wie die Lage wirklich ist. Genauso unmöglich ist es aber auch für Deutsche zu beurteilen, was im Nahen Osten und Nordafrika so vor sich geht. Trotzdem meint die Mehrheit, es zu können. Nichts desto trotz bleibt am Ende die eine Überzeugung, nämlich dass Fremdenfeindlichkeit und ungesunder Nationalismus keinen Platz in Deutschland haben dürfen. Kein wenn, kein aber. Punkt!



Deutlich wird allerdings auch, dass Rommel hierzulande über ein gewisses Ansehen verfügt. Die Annahme, er sei nach Ägypten gekommen, um das Land von den Engländern zu befreien reicht aus, ihn mit Ehren zu schmücken. Auch wenn es ihm nicht direkt gelungen ist. Der gute Wille zählt. Hier offenbart sich eine gewisse Diskrepanz, die in Deutschland gewiss nicht nachvollziehbar ist, aber auch nicht nachvollziehbar sein muss.
Fakt ist, dass folgendes Schild im Obergeschoss der Gedenkstätte sicherlich nicht aus ägyptischer Feder stammt. Und damit schließt sich der kleine Kreis.


Wer schwindelfrei ist und nicht unbedingt auf ein Geländer bei 12 Metern Höhe besteht, dem empfehle ich, zum Abschluss noch auf das Dach des Mahnmals zu steigen, man hat einen unbeschreiblichen Ausblick. Für mich schockierend war es zu sehen, was für ein massiver Flächenverbrauch sich entlang der Nordküste vollzieht. Vor neun Jahren war die Strecke von Alexandria nach Marsa Matrouh noch nahezu unbebaut, inzwischen ist die Küstenlinie nahezu vollständig erschlossen. Die Straßen breiter und jede Menge Compounds, in denen die knapp zehn Prozent der reichen Ägypter die Sommermonate verbringen. Das Klima lässt die Gebäude im Zeitraffertempo  erodieren. Sind diese renovierungsbedürftig, werden sie verlassen und neue Immobilien weiter westlich bezogen.


Hinten links im Bild baut sich der im Moment wohl prominenteste Ägypter seine Sommerresidenz. In unmittelbarer Nähe des deutschen Soldatenfriedhofs. Das ehrt.

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns mit Raouf, der uns durch die Anlage führte, bereits angefreundet. Die Nummern waren ausgetauscht, Facebookfreundschaften geknüpft, der Umgang war vertraut. Und so haben wir uns getraut, ihn um einen Gefallen zu bitten. Wir wollten mit den Bussen direkt ans Meer. Das ist gar nicht so einfach, denn das geht nur an bestimmten Stellen, man muss wissen wo und man sollte auch wissen, wem das Land gehört, das man gerade befährt. Man möchte ja nicht unbedingt in eine unangenehme Situation kommen.
Das Glück war auch hier an unserer Seite. Raouf konnte und wollte uns helfen, was für uns keine Selbstverständlichkeit war. Offroad war angesagt. Durch Sand und Schlaglöcher. Auf Holperpisten. Der Bus schien wie gemacht dafür.

  
Und plötzlich standen wir da! Was für ein Anblick! Nicht direkt am Wasser, aber für den Anfang gar nicht schlecht! Wir waren hellauf begeistert, unbestritten der bisherige Höhepunkt der Reise.



   

So nahe am Ziel wollten wir es jetzt aber wirklich wissen! Warum nicht direkt ans Wasser? Bislang hatten uns der Sand und der letzte steile und steinige Abhang davon abgehalten. Würden die Busse es bis ganz nach unten schaffen? Und vor allem wieder hoch? Mit einem Geländewagen kein Problem, aber mit einem T2 mit Heckantrieb? No risk, no fun! Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, wird schon irgendwie klappen. Ab in den Bus und nach unten!

Die Bilder sprechen für sich, was für eine coole Aktion! Eine Farborgie aus grün und rot auf weißem Sand vor türkisblauem Meer! Einfach nur genial!



Dieser Moment musste in einem Gruppenfoto festgehalten werden. Nebenbei haben wir auch gleich noch die Frage geklärt, ob wir wieder kommen dürfen, um dort in den Bussen zu übernachten. Dürfen wir :-).


Allzu viel Zeit konnten wir nicht mehr verlieren, denn wir wollten noch ins Militärmuseum in El Alamein und anschließend im Idealfall wieder vor Einbruch der Dunkelheit nach Alexandria. Da hatten wir aber die Rechnung ohne die arabische Gastfreundschaft gemacht. Wir hatten uns mit Raouf angefreundet und ohne einen Besuch seines Hauses konnten wir nicht weiterfahren. Das wäre sehr unhöflich gewesen. Und eine kleine Rast schadet ja nie.

   
Da könnte ich mir auch vorstellen, zu wohnen. Es gab den obligatorischen Tee in entspannter Atmosphäre, Gebäck und jede Menge Erfahrungsaustausch.



Nach dieser erholsamen Pause war es dann auch an der Zeit, weiterzuziehen. Das Museum selbst war sehr gut gemacht, leider durfte man keine Bilder machen. Zumindest war es uns das nicht wert, extra eine Fotogenehmigung zu kaufen. Ich habe mich gefragt, wo die ganzen Utensilien herkommen, die über 70 Jahre nach Kriegsende fast neuwertig in den Vitrinen zu sehen waren.


Auf dem Rückweg nach Alexandria war dann plötzlich das Fahrverhalten meines Bullis ganz anders. Er lief rauer, zog schlechter und im unteren Drehzahlbereich ging ihm wieder die Puste aus. Zeit also für einen Boxenstopp, der jedoch ganz schnell beendet werden konnte. Es war ein Zündkabel abgerutscht. Das musste ich nur wieder aufstecken, allerdings war der Anschluss so ausgeleiert, dass zu erwarten war, dass es wieder abspringt.
Auch der andere Bus bekam etwas Pflege. Sieht wilder aus als es ist: da fehlte nur Öl. Aber zum Nachfüllen muss der Luftfiltereinsatz ab.

 
Man bekommt hier immer gleich tatkräftige Hilfe und Unterstützung. Allerdings würde alles ohne diese sicherlich viel schneller gehen.

Wir sind dann gut in Alexandria angekommen. Beim Starten am nächsten Tag war aber klar, dass da bei mir schon wieder was im Argen war. Ähnliches Schadensbild, ich konnte den Motor in der Stadt im untertourigen Bereich kaum am Laufen halten. Jenseits der 60 km/h lief er aber ganz annehmbar. Ich beschloss, erst einmal aus der Stadt herauszufahren und dann vor der Autobahn an einer Tankstelle nochmal nach dem Rechten zu sehen.

  
Wieder war das Zündkabel abgegangen. Diesmal habe ich das Ende mit einer Zange gequetscht, in der Hoffnung, dass es hält. Kaum war ich damit fertig, kam plötzlich ein Ägypter an und fragte, ob er mit seiner Tochter vor den Bussen ein Bild machen dürfte. Na klar. In Kairo sorgt ein Ausländer in einem T2 eher für Amüsement. Auf unserer Tour haben wir allerdings so viel Feedback und Daumen nach oben bekommen, dass es eine wahre Freude ist. Es scheint sich doch langsam eine gewisse Oldtimerszene in Ägypten zu entwickeln. Davon zeugt auch folgende Collage, die wir in einem Cafe in Alexandria gesehen haben.

 
Alles in allem war das Bild aber gemischt. Genau so oft wie den Daumen nach oben haben wir auch die Handbewegungen bekommen, mit denen man Minibusse auffordert, einen mitzunehmen. Manchmal wurden wir im Vorbeifahren auch wüst beschimpft, weil wir nicht angehalten haben ;-).

Nach der Reparatur des Zündkabels lief der T2 wieder ganz sauber und so wie er das sollte. Es ist schon erstaunlich, dass sich das nicht stärker bemerkbar macht, wenn ein Zylinder nur noch passiv mitläuft.



Fast war ich schon so weit, die Tour als nahezu pannenfrei anzuhaken. Als wir uns aber am Fahrbahnrand kurz vor 6th October City verabschiedet hatten und ich die letzten Kilometer in Angriff nehmen wollte, ist es dann passiert. Er sprang einfach nicht mehr an. Da stand ich nun.


Eine systematische Fehlersuche war angesagt. Was braucht ein alter Vergasermotor um zu laufen? Sprit, Zündfunke und Luft. Zunächst dachte ich an ein Problem bei der Spritversorgung, bin dann aber doch beim Unterbrecher fündig geworden. Zumindest ließ er sich danach wieder starten und brachte uns zwar ruckelnd, aber zuverlässig bis nach Hause. Eines trifft auf die alten VWs wirklich zu: auch wenn sie noch zu mucken, heim bringen sie einen immer. Ich habe jetzt mal vorsorglich alle zündungsrelevanten Teile neu gekauft. Das kann sicher nicht schaden. 


Montag, 11. Juni 2018

Bremsen, Heizung, Sicherheit und jede Menge offene Fragen

Bremsen, Heizung, Sicherheit und jede Menge offene Fragen. Ich bleibe entspannt. Eigentlich müsste ich mich wundern, aber das habe ich mir schon abgewöhnt.
Als der Mechaniker beim Ölwechsel letztes Wochenende erst mal alles weggerissen hat, was im Weg war, ist mir aufgefallen, dass der Lufteinlass (so dachte ich damals zumindest) mit einem Stück Schaumstoff verschlossen war.

  
Das konnte ja nicht im Sinne des Erfinders sein. Auch der daran anschließende Luftschlauch sah mir nicht mehr danach aus als dass er noch das tun würde, für was er ursprünglich mal gedacht war.


Da wollte ich etwas tun. Also bin ich bei meinem Teilehändler vorbei und habe versucht, ihm das Problem zu schildern. Ich brauchte zwei neue Luftschläuche. Mit Hand, Fuß und Google ist es mir dann auch gelungen, ihm klar zu machen, was ich wollte. Bukra, misch mushkila. Am darauffolgenden Tag also sollten die Teile da sein. Und das waren sie dann auch. Zwar von Peugeot, aber das stört mich nicht weiter.


Ich bin ja in Sachen luftgekühlte Fahrzeuge ein absoluter Neuling und so hatte ich bis dahin schon in Erfahrung gebracht, dass dieser Kauf eigentlich ziemlich sinnfrei war. Mein Clubfreund und Lufti-Experte Eugen aus Salzburg sowie mehrere Mitglieder des Bulliforums hatten mich bis dahin bereits aufgeklärt, dass dieser Schlauch keineswegs Teil der Luftansaugung und Motorkühlung, sondern der Heizanlage ist. Dass der Zugang verstopft wurde sei ein kluger Schachzug, weil dadurch dem Motor mehr Kühlung zur Verfügung steht. Heizung in Ägypten? Selten so gelacht! Man neigt hier ja dazu, alles zu entfernen, was man nicht braucht, und so ist auch nahezu jedes Bauteil, das in Zusammenhang mit der Heizung steht, nicht mehr vorhanden. Die Regler ausgebaut, die Bowdenzüge abgeknipst, ganz zu schweigen von den Rohren, da ist natürlich auch nichts mehr vorhanden. Wofür auch? Und jetzt? Ich habe die Schläuche aus optischen Gründen trotzdem eingebaut. Nur hinschauen darf man nicht so genau, sonst findet man gleich zehn weitere Baustellen.

 
Manchmal ist es aber doch besser, wenn man genau hinschaut. Was haltet Ihr davon:




Ich finde das geil. Auch wenn das die Rocky Horror Bremsen Show ist. Und wir sprechen hier immerhin nur von einem Bremsschlauch. Vorne rechts. Schien keinen zu stören, der wurde ja sogar mitlackiert. Es wundert mich fast schon, dass sie den nicht gleich mitgespachtelt haben.
In drei Wochen geht es an die Nordküste nach El Alamein. Das sind alles in allem sicher 600 Kilometer. Ich bin nicht abgebrüht genug, um die Strecke mit diesem Bremsschlauch zu bewältigen. Alles kein Problem, ich habe mir Ende April von Stefan einen ganzen Satz Bremsschläuche aus Deutschland mitbringen lassen. Irgendetwas ist da aber schief gelaufen. da habe ich wohl die falschen bestellt.

 
Den oberen hätte ich gebraucht, den unteren hatte ich liegen. Was also tun? Ab zu meinem Teilehändler. Und das ist auch schon wieder so eine lustige Geschichte. Ich bin da vorgefahren und habe ihm gezeigt, was ich brauche. Das hat er auch gleich verstanden und mir wie jedes Mal die passende Vokabel dazu gelernt: Khartum. Eigentlich Khartum alfaramil, aber so genau wollen wir nicht sein. Dann hat er seinem Nachbarn geschrien, ist dann aber zum nahe gelegenen Polsterer gegangen. Man muss sich vorstellen, dass ich ja absolut keine Ahnung habe, was da vor sich geht. Inzwischen kam dann auch sein Nachbar und wollte wissen, was los sei. Das fragt der mich??? Woher soll ich das denn wissen? Und dann spricht der natürlich arabisch mit mir. Also spreche ich deutsch mit ihm. Eine absurde Angelegenheit. Aber da kam ja der Händler wieder zurück. Um was zu tun? Genau, der hat erst einmal sein Hemd ausgezogen und stand im Unterhemd da. Dann hat er ein dunkles Hemd darüber angezogen und hat das gemütlich zugeknöpft. Dann kam eine beschwichtigende Handbewegung und er ging ab zum Kiosk. Der Mann ist gläubiger Moslem. Was will der denn mitten im Ramadan beim Kiosk? Dann kam auch langsam der Moment, wo das alles begonnen hat, Sinn zu machen. Er hat nämlich einen Karton geholt, zerrissen und auf den Boden gelegt. Alles klar. Er wollte unter das Auto kriechen. Hat er dann auch getan. Ein zufriedenes Meshi sollte mir dann wohl auch mitteilen, dass er helfen kann. Und das tat er auch, Scheinbar gibt es da je nach Sattel zwei verschiedene Bremsschläuche. Ich habe gleich mal zwei der Variante gekauft, die ich brauche, denn der linke Khartum sollte auch irgendwann mal gewechselt werden. Das wird dann aber wohl in Kombination mit der Bremsleitung erfolgen müssen. Die ist wohl ein bisschen zu kurz geraten. Immer am Motzen, die Deutschen!


Eigentlich hätte ich das Thema Bremsschlauch auf der einen Seite noch ganz gerne abgeschlossen. Auf der anderen Seite war ich aber auch schon ein bisschen havariert nach etlichen Stunden bei 40 Grad in der Sonne. Nach einiger Überlegung und einer Tasse Kaffee, habe ich mich entschlossen, noch einmal in die Schule zu fahren, um den Schlauch zu wechseln. Schließlich war ja auch gar nicht gesagt, dass ich die Verschraubungen aufbekommen würde und für den Fall wollte ich ausreichend Zeit habe, um eventuell benötigte Ersatzteile zu besorgen.
Ich hatte Glück. Ich musste zwar einiges an Farbe abkratzen, dass der Bremsleitungsschlüssel griff, aber mit etwas WD 40 als Überzeugungshilfe ließen sich alle Verschraubungen problemlos öffnen.

  
 Damit war das Thema problemlos aber auch schon wieder Geschichte. Eigentlich hätte ich den Sattel überholen müssen, die Gummidichtungen der Bremskolben sind nur noch in Fragmenten vorhanden. Dazu hatte ich aber an diesem Tag wirklich keinen Drall. Ich hatte mir vor einigen Wochen ein Eezybleed aus Deutschland mitbringen lassen, das Problem war aber, dass keiner der Adapter für den Deckel des Ausgleichsbehälters gepasst hat. Ich denke auch, dass das nicht mehr der originale Behälter ist. Sicher ist, dass er zumindest schon mal nicht mehr an seinem originalen Platz sitzt. Und schon der nächste Gag:

 
Na, wer erkennt, womit der "gesichert" ist? Ich musste auch zwei Mal hinschauen. Das ist echt ein altes Sägeblatt einer Eisensäge. Im Krieg und in der Liebe ist wohl alles erlaubt. Selbst wenn man die Konstruktion abbaut und den Bremsflüssigkeitsbehälter leicht nach oben hebt, ist das Einfüllen der neuen Bremsflüssigkeit eine ziemliche Katastrophe. Und ich hatte noch ein anderes Problem: Luft im System und akut keine Möglichkeit zum Entlüften. Als ich da dann so stand und überlegte, wie ich das Problem lösen könnte, kam plötzlich mein Nachbar Franz um die Ecke gebogen, der zum Schwimmen wollte. Problem gelöst. Seit vielen Jahren habe ich schon nicht mehr auf die althergebrachte Methode entlüftet, aber es hat funktioniert. Fast. Denn ich hatte nicht das passende Werkzeug, um die Entlüfternippel zu lösen. Die Nüsse haben nicht über die Verdickung am Auslass gepasst und einen 7er Maulschlüssel hatte ich nicht zur Hand. Das war mir dann aber auch schon egal. Mit der Gripzange ließ sich der Nippel spielend lösen, er war nämlich ohnehin nur handfest angezogen. Echt jetzt. Ich hatte mir zuvor schon gebrauchten Ersatz besorgt, die haben aber nicht gepasst. Der Sattel beim T2 hat zwei Entlüftungsnippel, der zweite ist mir sofort abgebrochen als ich noch gar nicht richtig dran war. Das ist schon alles ein bisschen wild. Aber es hat funktioniert.

Bei der Gelegenheit konnte ich dann gleich noch ein anderes Problem lösen. Zumindest fast. Zum einen missfiel mir, dass nicht an allen Radbolzen Muttern drauf waren. Ich dachte, das sei Nachlässigeit, das ist es aber nicht. Da, wo keine Mutter draufsitzt, ist das Gewinde so vernudelt, dass da auch keine Mutter mehr draufpasst. Zumindest hinten, vorne sieht das besser aus.
Aber vorne gab es da auch noch so eine Konstruktion, die ich wohl nicht verstehen muss.

          
Seht Ihr das? Da hat jemand Beilagscheiben zwischen den Bund der Muttern und der Felge angebracht. Das muss ich wirklich nicht verstehen!

  
Wahrscheinlich waren diese komischen Hutmuttern, die da verbaut sind, einfach zu kurz? Ich weiß es nicht, habe das aber mal besser in Ordnung gebracht.


Und dann blieb mir eigentlich nur noch eines für diesen Tag. Letztes Wochenende habe ich das Fernentriegelungsschloss der Schiebetür ausgebaut, weil es sich nicht verschließen lässt. Der Bus steht also immer offen. Wenn ich in drei Wochen Werkzeug nach El Alamein und Alexandria mitnehmen möchte, dann finde ich das nicht so prickelnd. Irgendetwas ist da innen in der Mechnik gebrochen, die Schlossbetätigung selbst ist vernietet, da wollte ich jetzt auch nicht unbedingt ran. Lange Rede, kurzer Sinn, ich habe das Problem ägyptisch gelöst. Einfach, aber effizient. Und wahrscheinlich bin ich auch schon zu lange hier ;-).

Montag, 4. Juni 2018

Mit dem Hammer auf Spur gebracht

Hierzulande hat man ein extrem entspanntes Verhältnis zu sicherheitsrelevanter Technik und dem dazugehörigen Reparaturverhalten. In meinem 3BG verhindert die Metallkante von einem Schrubber, dass sich das Kühlwasser aus dem Motor verabschiedet. Ich neige bisweilen auch dazu, unkonventionell zu reparieren, im Vergleich zu dem, was ich hier sehe, ist das aber lediglich die Vorstufe in den Kindergarten. Richtig gruselig wird es bei der Bremsanlage, da konnte ich selbst kaum glauben, was ich sah, die ist aber zu einem späteren Zeitpunkt dran. Bis dahin fahre ich mit orientalischem Gottvertrauen durch die Lande.
Kürzlich kam ich in meine Garage und musste feststellen, dass der Reifen hinten rechts platt war. Direkt gegenüber ist - was für ein Zufall - ein Reifenhändler. Irgendwie mangelte es mir da aber an ausreichendem Vertrauen. Also habe ich die Felge geschnappt und sie über die viel befahrene Shera Mourad zu Bridgestone gerollt. Da hatte ich bereits mal einen Reifen flicken lassen, die arbeiten nach europäischen Maßstäben (dachte ich bis dahin - wie naiv!), verfügen über gute Geräte und der Mechaniker kannte mich noch vom letzten Mal. Kurze Begrüßung, fi mushkila, Reifen ist platt, malesh, bitte reparieren. Ich hatte diesen Chromring noch nie herunten und in der Garage war es dunkel, aber jetzt im hellen Neonlicht konnte ich die Misere ungeschminkt sehen. Der gesamte Felgenrand glich einer Laola-Welle. Ein Wunder, dass die Felge überhaupt noch Luft gehalten hat. Und genau da lag auch das Problem. Der Reifen hatte gar kein Loch, er verlor die Luft am verbeulten Felgenrand. Felge kaputt war die fachkundige Erkenntnis des Mechanikers. Musst Du neu kaufen in Haram bei den Busfahrern. Kann man da nichts machen? Eigentlich nein. Jetzt muss man wissen, dass eigentlich nein ja heißt. Und was macht man da? Reifen ab, erst mal den Felgenrand mit der Zange für die Wuchtgewichte etwas gerade gebogen, viel Seife verschmiert, Reifen wieder drauf, aufpumpen und dann so lange mit einem großen Fäustel darauf herumschlagen, bis es nicht mehr zischt. Das ist eine andere Welt. Der Chef kam vorbei und hat das ganze Spiel wohlwollend kopfnickend abgesegnet. Dann war die Felge aber am Ventil undicht. Also Reifen wieder runter, neues Ventil rein, wieder viel Flutschi, Reifen wieder aufgezogen und erneut mit dem Hammer die vermeintliche Endlösung vollzogen. 

       
Der ganze Spaß kostete 22,50 Pfund, umgerechnet knapp über einem Euro. Zum Abschied kam die Frage, ob ich ihm nicht Arbeit bei Bridgestone in Deutschland besorgen könnte. In solchen Momenten wird mir immer wieder bewusst, in welch unterschiedlichen Welten wir leben. Er könnte das, was bei uns abgeht, wahrscheinlich nicht im Ansatz nachvollziehen, genau so wenig wie Deutsche das verstehen könnten, was hier tagtäglich so vor sich geht. Und ich bin da irgendwo dazwischen. Auch das wird mir immer deutlicher bewusst. Ich finde das inzwischen selbst schon wunderlich, wie man in Deutschland manchmal die Dinge so handhabt. Kürzlich habe ich eine Reportage über den deutschen TÜV gesehen und mich dabei ertappt, wie ich mir gedacht habe, wer braucht so etwas eigentlich? 
Aber zurück zum Thema. Ich habe nicht ganz verstanden, wieso die Felge wochenlang die Luft hält und dann plötzlich nicht mehr. Aber egal. Ich habe sie dann mit den drei (!) von fünf Schrauben, mit denen sie befestigt war, wieder angeschraubt. Die Reparatur war erfolgreich, die Luft bleibt drin. 

Zwei akute Baustellen sind die Lenkung und die Bremsanlage. Letztere ist wie bereits angedeutet noch dringlicher, dennoch habe ich dieses Wochenende mal mit der Lenkung begonnen. Die entsprechenden Teile habe ich vor zwei Wochen aus Deutschland mitgebracht. Hier sind die kaum zu bekommen. Ebenso wie der gelbe Sack ;-).  

   
Das war logistisch eine ganz schöne Herausforderung, denn eigentlich war das zulässige Gesamtgewicht für den Koffer schon alleine mit den Autoteilen erreicht. Ich wollte nicht, dass der Zoll bei der Einreise in Kairo dicke Backen macht. Für den Fall, dass ich doch kontrolliert werden sollte, was bislang noch nicht vorgekommen ist - ich verfolge da eine recht erfolgreiche Strategie, wobei ich aber auch denke, dass mein Pass dabei hilfreich ist - habe ich die ganzen Autoteile in meiner Schmutzwäsche verpackt. Da will keiner ran. Und dann waren da noch zwei Kilo Spargel und diverse andere Gegenstände des täglichen Gebrauchs, an die man hier ganz schlecht kommt.

So ausgestattet konnte es dann auch losgehen. Also hoch mit dem Bein!


Vor einigen Wochen hatte ich mir bereits einen Kugelgelenkabdrücker in Ataba besorgt. Damit war der Ausbau der Spurstangen ein Kinderspiel.

Wie man sieht, komme ich von dem Thema Bremsen nicht los, es verfolgt mich bei jeder Handbewegung an dem Auto. Und das hier ist noch recht harmlos. Trotzdem geht es hier jetzt um die Spurstangen.



Um das Thema Spur einstellen musste ich mir hier wenig Gedanken machen, die hat nämlich vorher schon nicht wirklich gepasst. Ich habe einfach die neuen Köpfe möglichst genau auf das Maß der alten gedreht. Das Thema werde ich dann mal angehen, wenn ich die Traggelenke getauscht habe, die sind nämlich auch wirklich in einem üblen Zustand. Falls es hier überhaupt so etwas wie einen Einrichtung zum Einstellen der Spur gibt. Den Tausch der Traggelenke möchte ich noch ein bisschen schieben, das soll nicht ganz so einfach sein wie man hört.


Auch hier wieder das Thema Bremsen. Der Bremsschlauch, der viel zu lang ist, scheuert an der Spurstange.

  
  
Zu guter Letzt war dann noch ein Tausch der Lenkstange fällig. Auch das ging ganz problemlos.


Die ausgebauten Teile waren in besserem Zustand als ich anfänglich befürchtet hatte, dennoch ist das Ansprechverhalten der Lenkung jetzt deutlich besser als zuvor. Um das Restspiel zu beseitigen, muss ich wohl ans Lenkgetriebe. Das lässt sich nachstellen.

Als nächstes stand das Fernbetätigungsschloss der Schiebetür auf dem Programm. Das lässt sich nicht verriegeln, der Bus steht also immer offen. Da scheint aber ein mechanisches Problem im Inneren die Ursache zu sein. Das Schloss selbst kann man nicht zerlegen. Das werde ich wohl ägyptisch lösen, ich habe da auch schon eine Idee.

Ich hatte keine Ahnung, wann der letzte Ölwechsel war. Kann ja auch nicht schaden. Auf dem Rückweg nach Hause bin ich einfach mal bei Mobil vorbeigefahren, die arbeiten ganz ordentlich. Momentan ist ja Ramadan, Autofahren ist wesentlich entspannter als im Rest des Jahres, doch ständig passiert es mir, dass Angestellte gerade beim Beten sind. So auch, als ich an der Tankstelle ankam. Das ist immer ein bisschen unangenehm, denn man steht da daneben und wartet, bis das Gebet beendet ist. Ich versuche dann immer, ein paar Schritte abseits zu stehen. Doch das Warten war umsonst. Bei Mobil gibt es scheinbar nur noch das gute Mobil One 5 W 30 "Langzeitöl", das man auch nur noch alle 10.000 km wechseln muss. Für den Bus viel zu dünn. Also weiter über die Chrles de Gaulle am Four Seasons vorbei auf die Shera Mourad, an deren Ende sich die Tankstelle von Misr Petroleum befindet, die aufmerksame Leser dieses Blogs bereits vom Autowaschen kennen. Wo könnte man besser einen Ölwechsel machen lassen als dort, wo man auch vermehrt die T2s findet?

Hier gibt es das gute 20 W 50 und jede Menge interkulturelle Erfahrung. An diesem Tag war ein hagerer, älterer Herr für mich zuständig, der mich von seiner Aussprache, Mimik und Gestik ein wenig an den Porter bei Macbeth erinnerte. Aber das war noch nicht alles. Der ganze Mann war Öl. Der Overall war ölgetränkt, seine Haare ebenfalls, der ganze Körper schwarz und in seine Adiletten lief das Öl oben rein und unten wieder raus. Dementsprechend war alles schwarz, was er anfasste.

Ich wollte kein Bild von ihm machen, das erschien mir unangebracht. Aber der Zuständige für die Rechnung, der kam mir eher zufällig vor die Linse.

       
Zunächst mal hat der Ölmann den Luftfilter "ausgebaut". Dann einen Eimer druntergestellt, die Ablassschraube geöffnet und das Altöl weit spritzend in den Eimer laufen lassen. Dann hat er aus einem alten Karton einen Trichter gebaut, um das frische Öl einfüllen zu können. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen.


Beim Einbau des Luftfilters hat der gute Mann dann den Luftschlauch für die Motorkühlung falsch aufgesteckt, was ja jetzt auch nicht unbedingt für ihn spricht. Bei der Gelegenheit habe ich dann bemerkt, dass der Eingang des Kühlgebläses mit einem Stück Schaumstoff verstopft ist. Als ich das rausgepopelt habe, bekam ich gleich einen Anschiss. Das sei wichtig wegen des Staubs. Das kann aber nicht wirklich im Sinne des Erfinders sein, denke ich mal.
Der ganze Spaß hat mich 127 Pfund gekostet, umgerechnet knapp 6 Euro, ein guter Liter Nachfüllrest im Kanister inklusive.
Zum Abschluss des Tages habe ich dann noch alle Gelenke der Brems-, Kupplungs-, und Gasmimik ordentlich gefettet. Kann ja nicht schaden, dachte ich mir. Das hätte ich aber besser mal nicht machen sollen, wie ich am nächsten Tag erfahren sollte.

Das Wochenende war ja noch nicht vorbei und langsam möchte ich meinen Radius auch ein bisschen erweitern. Also sind wir am kommenden Tag noch über Maadi, wo wir einen Termin hatten, nach Cairo Festival City zu Ikea. Mit knapp 60 Kilometern hin und zurück war das bislang die weiteste Strecke, die ich mit dem Bus bewältigt habe. Auf dem Weg nach Maadi ist mir immer wieder das Gaspedal hängen geblieben. In Maadi selbst ist mir dann der Gaszug aus der Aufnahme am Pedal herausgesprungen. Auch hier kann ich mir nicht vorstellen, dass das Original so gelöst war. Da ist einfach so ein flaches "S" am Ende des Zugs, mit dem dieser in eine Öse an der Pedalmimik gesteckt ist. Ohne Fett hält der wohl gerade noch so, mit aber nicht mehr wirklich. Das ist kein großer Akt, den Zug wieder einzuhängen, aber je nach Verkehrssituation ist das nicht wirklich ein Spaß.

Auf dem Weg zu Ikea ist mir das dann noch zwei Mal passiert. Ich habe jedes Mal auch das Fett entfernt, wodurch sich das Problem etwas gebessert hat. Bei der Einfahrt auf den Parkplatz gab es dann wieder das altbekannte Spiel: halt, stop, Taxis dürfen nicht auf das Gelände, signalisiert durch weit in die Höhe gehobene, winkende Arme. Aber was ist das? Ein Ausländer? In einem Microbus? Wo willst Du denn hin? Zu Ikea! Ok.


Hier wurde mir dann zum ersten Mal auch einer der großen Vorzüge eines VW-Transporters bewusst: Türe auf, Tisch rein, Türe zu. Und gut.

Einer der Wege zu Festival City führt über die Ring Road, die ich am liebsten meide, weil die für mich immer noch dem Vorhof zur Hölle gleicht.


Natürlich ist mir auf dem Rückweg gerade dort wieder der Gaszug aus der Führung gesprungen. Es blieb mir nichts anderes übrig als den Warnblinker einzuschalten, auf die rechte Spur zu rollen und das vermaledeite Ding wieder reinzufriemeln. Ich lebe noch! Elhamdullilah! Mir ist keiner mit 100 hinten drauf, weil er gerade eine WhatsApp-Nachricht geschrieben hat. Auch was wert.